Sonderausstellung


Die Geschichte von Valentin S.

Eine „Poster-Novel“ zum Schicksal eines ukrainischen Zwangsarbeiters von Ihor Tvoronovych

4. August - 23. September 2022

Die Poster erzählen die Geschichte von Valentin S., der während des Zweiten Weltkrieges NS-Zwangsarbeiter war. Jedes Bildmotiv spiegelt einen Moment in der Geschichte von Valentin S. wider. Die Plakate lassen sich als eine zusammenhängende Geschichte lesen, sie sind wie ein Roman in Bildern. Die Arbeiten wurden durch historische Abbildungen ergänzt. Heute erleben viele Opfer der NS-Gewaltherrscahft erneut einen Krieg in der Ukraine. Die Ausstellung ist eine Solidaritätsbekundung.

Die Geschichte von Valentin S. wurde auf zweierlei Weise in der Familie überliefert: auf einer Postkarte und mündlich von seiner Schwester: Valentin S. wurde aus Kyiv in das Durchgangslager Genthin in der Nähe von Berlin verschleppt. Anschließend arbeitete er mit seiner Schwester auf einem Bauernhof im Berliner Umland. Nach einem Streit mit dem Bauern wurde Valentin zur Strafe in ein westfälisches Bergwerk geschickt. Von dort floh er wegen der sehr schweren Arbeit und versteckte sich einige Zeit vor den Behörden. Der letzte Hinweis auf Valentin S. ist in den Listen des Konzentrationslagers Dachau zu finden: Sein Name ist mit dem Todesdatum 1944 vermerkt. Die Hintergründe seines Todes sind unklar.

Valentin S. war der Großonkel des Künstlers. Die Plakatserie ist für Ihor Tvoronovych eine Studie zur Familiengeschichte. Er will damit bestimmte Schlüsselmomente der Geschichte emotional verständlich machen. Dafür nutzt er Methoden der Produktwerbung: Hierbei wird die Geschichte einer Person erzählt, um eine emotionale Verbindung zum „Verbraucher“ herzustellen. Ihor Tvoronovych nutzt dieses Prinzip, um die empathische Wirkung zu verstärken. Zugleich bricht er viele Motive ironisch und versetzt sie mit modernen Elementen. Dadurch bietet der Künstler einen völlig neuen Ansatz zum Verständnis von Geschichte – mit Hilfe der neuen Form „Poster-Novel“.

Die Lebensgeschichte von Valentin S. hat viele Berührungspunkte mit dem Schicksal anderer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter – und ist gleichzeitig ein einzigartiges Beispiel für den Kampf eines unterdrückten Individuums gegen ein autoritäres System. Der Zwangsarbeiter Valentin S. war ein Opfer der NS-Diktatur. Er hat sich jedoch bis zu seinem Tod immer wieder gegen das Regime aufgelehnt und seinen eigenen Handlungswillen demonstriert. Das zeigt auch die Ausstellung von Ihor Tvoronovych.

Über den Künstler:

Ihor Tvoronovych ist ein 26-jähriger Künstler, Grafikdesigner und politischer Aktivist aus Kyiv. Er leitete die Organisation „Free Education Space“. Vor dem Kriegsausbruch unterrichtete und promovierte er an der Fakultät für Architektur der Nationalen Universität für Bauwesen und Architektur in Kyiv. Zugleich gab Ihor Tvoronovych einen Kurs über universelles Design, ist Freiwilliger bei Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) und engagierte sich in sozialen Projekten. Zu seinen Interessensgebieten gehören soziale und politische Fragen des Lebens in Europa, Menschenrechte und universelles Design. Ihor ist weiter in der Ukraine, aufgrund einer Erkrankung ist er nicht zum Militär eingezogen. Er engagiert sich weiter sozial für seine Mitbürger und zeichnet das, was er sieht.

 

Die Ausstellung wird unterstützt von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, Meet-up: deutsch-ukrainische Jugendbegegnungen und dem Programm "Zukunft Stipendium" sowie dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit.


Öffnungszeiten

Di - So 10 - 18 Uhr

Baracke 5

Eintritt frei, Rollstuhlgerecht
 

Pressekontakt:

Fabian Vögtle
voegtle(at)topographie.de

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