Sonderausstellung

Die Interventionen finden Sie am Ende der Dauerausstellung "Alltag Zwangsarbeit 1938-1945" in Baracke 2.

"... denn der Schrank der Franzosen steht in unserem Keller."

Ein einfaches Objekt als greifbare Erinnerung

01. März - 7. August 2022 (verlängert)

„Dann bauten sie für unseren Luftschutzkeller einen robusten Schrank, der einen Puff vertragen konnte. Auf wunderbare Weise hat er all die Jahre überlebt, ist sogar nach dem Krieg, auseinandergenommen, in tiefer Nacht, heimlich mit der S-Bahn nach dem Westen übergewechselt und steht nun in unserem Keller in Spandau.“
Rosemarie Erdmann: Die andere Seite des Triftweges (1938), www.kindheit-und-politik.de

Erbaut wurde der Holzschrank von französischen Kriegsgefangenen. Diese mussten in einer Fleischwarenfabrik in Berlin-Lichtenberg Zwangsarbeit leisten, und waren zudem direkt im Fabrikgebäude untergebracht. Im Nachbarhaus wohnte Rosemarie Erdmann (*1929 geb. Heinze), deren Vater als Maschinenmeister in der Fabrik arbeitete. Einige der französischen Zwangsarbeiter fertigten für den Luftschutzkeller der Familie Heinze auch einen Holzschrank an.

Diesen Schrank bewahrte Rosemarie nach dem Krieg über Jahrzehnte hinweg bis zu ihrem Tod 2015 in ihrem Keller auf. Über den Verein Berliner Unterwelten kam das Objekt 2021 in die Sammlung des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit.

Der Schrank symbolisiert die enge Verknüpfung von Zwangsarbeitenden und deutscher Bevölkerung. In ihren Erinnerungen schrieb Rosemarie Erdmann: „Aber eins weiß ich genau! Meine Geschichte war kein böser Traum, denn der Schrank der Franzosen steht in unserem Keller.“

Bis zum 29. Mai ist das Objekt bei uns im Dokumentationszentrum zu sehen und seine besondere Geschichte nachzulesen.

 

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