Sonderausstellung

Die Geschichte von Valentin S.

Eine „Poster-Novel“ von Ihor Tvoronovych

10. September - 31. Oktober 2021
 

Die Poster erzählen die Geschichte von Valentin S., der während des Zweiten Weltkrieges
NS-Zwangsarbeiter war. Jedes Bildmotiv spiegelt einen Moment in der Geschichte von Valentin S. wider. Die Plakate lassen sich als eine zusammenhängende Geschichte lesen, sie sind wie ein Roman in Bildern.

Die Geschichte von Valentin S. wurde auf zweierlei Weise in der Familie überliefert: auf einer Postkarte und mündlich von seiner Schwester: Valentin S. wurde aus Kyiv in das Durchgangslager Genthin in der Nähe von Berlin verschleppt. Anschließend arbeitete er mit seiner Schwester auf einem Bauernhof im Berliner Umland. Nach einem Streit mit dem Bauern wurde Valentin zur Strafe in ein westfälisches Bergwerk geschickt. Von dort floh er wegen der sehr schweren Arbeit und versteckte sich einige Zeit vor den Behörden. Der letzte Hinweis auf Valentin S. ist in den Listen des Konzentrationslagers Dachau zu finden: Sein Name ist mit dem Todesdatum 1944 vermerkt. Die Hintergründe seines Todes sind unklar.

Valentin S. war der Großonkel des Künstlers. Die Plakatserie ist für Ihor Tvoronovych eine Studie zur Familiengeschichte. Er will damit bestimmte Schlüsselmomente der Geschichte emotional verständlich machen. Dafür nutzt er Methoden der Produktwerbung: Hierbei wird die Geschichte einer Person erzählt, um eine emotionale Verbindung zum „Verbraucher“ herzustellen. Ihor Tvoronovych nutzt dieses Prinzip, um die empathische Wirkung zu verstärken. Zugleich bricht er viele Motive ironisch und versetzt sie mit modernen Elementen. Dadurch bietet der Künstler einen völlig neuen Ansatz zum Verständnis von Geschichte – mit Hilfe der neuen Form „Poster-Novel“.

Die Lebensgeschichte von Valentin S. hat viele Berührungspunkte mit dem Schicksal anderer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter – und ist gleichzeitig ein einzigartiges Beispiel für den Kampf eines unterdrückten Individuums gegen ein autoritäres System. Der Zwangsarbeiter Valentin S. war ein Opfer der NS-Diktatur. Er hat sich jedoch bis zu seinem Tod immer wieder gegen das Regime aufgelehnt und seinen eigenen Handlungswillen demonstriert. Das zeigt auch die Ausstellung von Ihor Tvoronovych.

 

Über den Künstler:

Ihor Tvoronovych ist ein 25-jähriger Künstler, Grafikdesigner und politischer Aktivist aus Kyiv. Er leitet die Organisation „Free Education Space“. Derzeit unterrichtet und promoviert er an der Fakultät für Architektur der Nationalen Universität für Bauwesen und Architektur in Kyiv. Zugleich gibt Ihor Tvoronovych einen Kurs über universelles Design, ist Freiwilliger bei Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) und engagiert sich in sozialen Projekten. Zu seinen Interessensgebieten gehören soziale und politische Fragen des Lebens in Europa, Menschenrechte und universelles Design.

 

Die Ausstellung wird unterstützt von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, Meet-up: deutsch-ukrainische Jugendbegegnungen und dem Programm "Zukunft Stipendium" sowie dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit.



Anfahrt

Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit
Baracke 2

Britzer Straße 5
12439 Berlin

Tel. +49 (0)30 6390 288 0
Email: schoeneweide(at)topographie.de
 

Zur VBB-Fahrinfo

Öffnungszeiten

Di - So 10-18 Uhr

Schließtage
24. und 31. Dezember

Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung ist rollstuhlgeeignet.

In Kooperation mit: