FAQ

Über diese Ausstellung

Bis heute ist die Geschichte der etwa 650.000 italienischen Militärinernierten (IMI) in Deutschland nur wenig bekannt. 1943 als Gefangene einer verbündeten Armee von der Wehrmacht verschleppt, wurden sie im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten zur Zwangsarbeit eingesetzt.
Im Dezember 2012 überreichte eine deutsch-italienische Historikerkommission in Rom den Außenministern beider Länder einen Bericht mit Empfehlungen für eine "gemeinsame Erinnerungskultur". Die Einsetzung der Kommission war das Ergebnis jahrelanger Auseinandersetzungen um die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter*innen. Diese sollte mit der Gründung der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft" im Jahr 2000 zu einem Ende kommen. Die ehemaligen Militärinternierten blieben als "Kriegsgefangene" bei den vorgesehenen Entschädigungszahlungen jedoch unbeachtet. Zahlreiche Proteste und die Verschlechterung der deutsch-italienischen Beziehungen waren die Folge.
Als größtes deutsches Projekt empfahl die Kommission 2012 die Ausarbeitung einer Dauerausstellung über das Schicksal der italienischen Militärinternierten. Als geeigneter Ort wurde das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide vorgeschlagen. Seit 2016 informiert die Ausstellung "Zwischen allen Stühlen. Die Geschichte der italienischen Militärinternierten 1943-1945" über dieses wenig bekannte Kapitel der NS-Vergangenheit. Mit Zeitzeugenbesuchen ehemaliger Militärinternierter und länderübergreifenden Jugendbegegnungen fördert das Dokumentationszentrum zudem die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema und stärkt das öffentliche Bewusstsein für die deutsch-italienische Vergangenheit und Gegenwart. Eine finanzielle Entschädigung der Betroffenen ist bis heute nicht erfolgt, ihr Zwangsarbeit wurde von der Bundesrepublik nicht offiziell als solche anerkannt.

 


Wer waren die italienischen Militärinternierten?

Nach dem Waffenstillstand vom 8. September 1943 besetzte die Wehrmacht das italienische Festland. Die festgesetzten italienischen Militärangehörigen galten anfangs als Kriegsgefangene. Ende September wurde die faschistische Repubblica Sociale Italiana (RSI) gegründet. Der auf Nord- und Mittelitalien beschränkte Satellitenstaat blieb unter Führung Mussolinis bis zum Kriegsende Bündnispartner des Deutschen Reiches. Militärangehörige eines verbündeten Staates konnten aber keine Kriegsgefangenen sein. Daher änderte Hitler Ende September 1943 ihren Status und erklärte sie zu Militärinternierten.


Vergessene Opfergruppe in Deutschland

Lange Zeit erinnerten in Deutschland und Österreich ausschließlich Grabanlagen an die 1943–1945 umgekommenen italienischen Militärinternierten und Zwangsarbeiter. Zwangsarbeit galt als „normale“ Begleiterscheinung von Krieg und Besatzungsherrschaft. Erst seit den 1990er Jahren erforschen Geschichtswerkstätten und lokale Initiativen die Geschichte der deportierten Soldaten, ihrer Haft- und Arbeitsorte. Gedenkstätten an Standorten ehemaliger Kriegsgefangenenlager und das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin würdigen nun die Geschichte der Internierten.


Sie kennen einen ehemaligen IMI?

Ziel unserer Arbeit ist es stetig zu einer Verbesserung der Forschungslage über die Geschichte der Italienischen Militärinternierten beizutragen. Sollten Sie über persönliche Zeugnisse oder Zeitzeugenberichte von ehemaligen Militärinternierten verfügen, können Sie sich gerne direkt an uns wenden.

Kontakt: Daniela Geppert, geppert(at)topographie.de

Archiv: Miriam Haardt, haardt(at)topographie.de