Über Uns

Willkommen im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit!

Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide ist die einzige Institution am historischen Ort eines fast vollständig erhaltenen Zwangsarbeiterlagers inmitten eines Wohnbezirks. Seit 2006 macht es hier das lange ausgeblendete Schicksal der über 26 Millionen Männer, Frauen und Kinder sichtbar, die während des Zweiten Weltkriegs durch das NS-Regime als Zwangsarbeiter ausgebeutet wurden.

Unter den Augen der deutschen Zivilbevölkerung arbeiteten sie in allen Bereichen der Gesellschaft – in großen, mittleren und kleinen Firmen, in allen Branchen – von der Tischlerei, Bäckerei, Brauerei bis zum Bekleidungsgeschäft, in kommunalen Einrichtungen wie der Müllabfuhr und in der Landwirtschaft, auf kirchlichen Friedhöfen, bis hin zu Privathaushalten. Alleine im Berliner Stadtgebiet befanden sich etwa 3.000 Lager für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

Dokumentieren. Vermitteln. Bewahren.

Als Archiv-, Ausstellungs- und Lernort informiert das Dokumentationszentrum insbesondere über die Geschichte und Dimension der größten Gruppe der NS-Zwangsarbeit. Rund 8,4 Millionen Menschen wurden als „zivile“ Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus den besetzten Gebieten Europas in das Deutsche Reich verschleppt. Dabei dienen die ehemaligen Unterkunftsbaracken als Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Bildungsorte.

In seinem Archiv und der Bibliothek hält das Dokumentationszentrum die Stimmen und das historische Erbe der Überlebenden für die nachfolgenden Generationen und zur weiteren Erforschung des Themas fest. Seit kurzem ermöglicht die internationale Jugendbegegnungsstätte eine intensive und länderübergreifende Auseinandersetzung mit dem Thema.

Mehr erfahren: Der historische Ort

Bau und Nutzung

Das Lager in Schöneweide wurde ab Ende 1943 vom „Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“ (GBI) unter der Leitung Albert Speers inmitten eines Wohngebietes errichtet. Das 3,3 Hektar große Areal (entspricht ca. 4,5 Fußballfeldern) umfasste insgesamt 13 Unterkunftsbaracken sowie eine in der Mitte gelegene Wirtschaftsbaracke. Geplant war das Lager für 2.160 ZwangsarbeiterInnen. Vollständig belegt war das Lager aber nie. Über 400 italienische Zwangsarbeiter, darunter Militärinternierte, sowie zivile ZwangsarbeiterInnen aus verschiedenen Ländern waren hier untergebracht. Zwei Baracken dienten darüber hinaus in den letzten Kriegsmonaten 1945 als Unterkunft für weibliche KZ-Häftlinge, die bei der Batteriefabrik Pertrix arbeiten mussten.

Nach der Befreiung

Nach 1945 nutzte zunächst die Rote Armee einige Baracken als Papierlager für die Sowjetische Militäradministration. In die sechs Baracken, die heute zum Dokumentationszentrum gehören, zog kurz nach dem Krieg das Impfstoff-Institut der DDR ein. Die übrigen Baracken werden bis heute von einer Werkstatt, einer Sauna, einer Kindertagesstätte, einem Autohaus und einer Kegelgaststätte genutzt. Nach 1989 wurde das Impfstoff-Institut abgewickelt, ab 1995 stand dieser Teil des historischen Lagergeländes über zehn Jahre leer.

Entstehung des Dokumentationszentrums

2004 beschloss der Berliner Senat, hier ein Dokumentationszentrum zur Geschichte der NS-Zwangsarbeit einzurichten. Mit Unterstützung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ wurde 2005/2006 ein Internationaler Gründungsbeirat ins Leben gerufen. Er beriet über Gestaltung und Nutzung des historischen Geländes sowie über die Konzeption des zukünftigen Dokumentationszentrums als Ausstellungs-, Archiv- und Lernort. Zwei Baracken wurden hergerichtet für Ausstellungen, Veranstaltungen, Seminare, Archiv, Bibliothek und Büros. Am 24. August 2006 ist das Dokumentationszentrum eröffnet und offiziell an die Stiftung Topographie des Terrors übergeben worden. Inzwischen konnten weitere drei Baracken saniert werden, eine davon dient seit 2015 als internationale Jugendbegegnungsstätte.

Die Entstehung des Dokumentationszentrums wäre nicht möglich gewesen ohne das starke bürgerschaftliche Engagement und die wachsende Öffentliche Diskussion um die Entschädigung von ehemaligen Zwangsarbeiterinnern und Zwangsarbeitern.


Ihr Besuch

Rundgänge und Multimediaguides

Drei verschiedene Audio-Rundgänge führen heute durch die Ausstellungen sowie über das Außengelände. Begleitend zu den Ausstellungen bieten die Audio-Rundgänge vertiefende Erläuterungen, so z.B. einzelne Objektgeschichten und Hintergrundinformationen zu historischen Fotografien. An vielen Stationen wird das Gezeigte mit den Erlebnissen und Biografien ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter verknüpft.

Ebenso können die Besucherinnen und Besucher mit dem Multimedia-Guide die Umgebung des Dokumentationszentrums erkunden. Der einstündige Geländerundgang führt über den Außenbereich, die umliegenden Straßen bis an das Schöneweider Spreeufer. An zehn Standorten erläutert der Multimedia-Guide, mit Hilfe von Ton und Bilddokumenten, die Geschichte des historischen Ortes und der Zwangsarbeit.

Beide Angebote gibt es in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Spanisch, Italienisch, Russisch, Polnisch, Arabisch, Türkisch und in Leichter Sprache.



 

Gelände und Ausstellungen

Seit Ende August 2010 ist mit Baracke 13 eine gut erhaltene Unterkunftsbaracke im Rahmen von Führungen zugänglich, die Dauerausstellung Alltag Zwangsarbeit 1938-1945 informiert über das System Zwangsarbeit. 2016 wurde die zweite Dauerausstellung Zwischen allen Stühlen. Die Geschichte der Italienischen Militärinternierten 1943-1945 eröffnet. Sie stellt das Schicksal einer wenig beachteten Gruppe von Zwangsarbeitern, den italienischen Militärinternierten, dar.

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